Selbstfürsorge | Bin ich egoistisch?

Mein/e liebe/r LeserIn, ich möchte dir einleitend eine Frage stellen:

Begegnest du dir selber auf Augenhöhe?

…du magst dich fragen, was ich damit meine. Anders ausgedrückt:

Achtest du auf deine natürlichen Bedürfnisse, d.h. ausreichend frische Luft zu bekommen, deinem Körper mit natürlichen Lebensmitteln zu versorgen, dich regelmäßig zu bewegen, dir den nötigen Schlaf zu schenken? Achtest du auf körperliche Warnsignale, wie Schmerzen, Müdigkeit oder Schwäche? Kannst du mit Stress und Hektik im Alltag umgehen, dir wieder Zeit und Raum für Ruhe und Dich alleine nehmen? Glaubst du an deine Visionen, deine Ziele?

Vielleicht fragst du dich: wieso sollte ich meine persönlichen Bedürfnisse so egoistisch in den Vordergrund stellen? Schließlich gibt es tausend andere Personen, denen es viel schlechter geht!

Das mag richtig sein. Diesen Menschen kannst du aber bei Weitem keine Unterstützung sein, wenn du dich selbst im außen verlierst. Neben dir stehst. Unausgeglichen, gestresst, bedürftig, krank bist und dich in einer Abwärtsspirale befindest.

Erst wenn dein Glas voll ist, kannst du anderen von deinem Wasser abgeben … ihnen helfen.

Erst, wenn du ausreichend für sich selbst da sein kannst, dann kannst du erst für andere da sein, ohne dich selbst zu verausgaben. Dalai Lama hat es mit anderen Worten sehr wundervoll auf den Punkt gebracht:

„Damit jemand im Stande ist, wahrhaft Mitgefühl gegenüber anderen zu entwickeln,
benötigt er oder sie zunächst eine Grundlage, auf der Mitgefühl kultiviert werden kann.
Diese Grundlage ist die Fähigkeit,
mit seinen eigenen Gefühlen verbunden zu sein und für sein eigenes Wohlergehen zu sorgen […].
Fürsorge für andere setzt Fürsorge für sich selbst voraus.“

Doch den eigenen Bedürfnissen die höchste Priorität zu geben ist uns immer befremdlicher geworden. Wie du es wieder schaffst, mit dir in Einklang zu kommen, das wollen wir uns jetzt genauer ansehen!

 

 

 

 

~ Was bedeutet Selbstfürsorge? ~


Bei der Selbstfürsorge geht es um das Erkennen, das richtige Einordnen und in Folge dessen um das Erfüllen der eigenen Bedürfnisse. Selbstfürsorge heißt zugleich, Verantwortung zu übernehmen. Und zwar Eigenverantwortung. Für dich und deine Bedürfnisse; genauso, als würdest du Verantwortung für deine Kinder übernehmen. Denn bei ihnen würdest du auch voller Fürsorge darauf achten, dass sie ausreichend zu essen, zu trinken, an Schlaf, an Bewegung, an Spiel und Spaß, an Bildung und an Entspannung bekommen.

Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag,
an dem du die volle Verantwortung für dein Tun übernimmst.
(Dante Alighieri)

Mit dem Schritt ins Erwachsenenalter dürfen wir einerseits den Weg in die Freiheit beschreiten. In die Selbstbestimmung. Aber zeitgleich bedeutet das auch, in die Eigenverantwortung zu gehen. Doch genau diese Eigenschaft legen wir gerne ab und lassen uns von äußeren Einflüssen bestimmen, verlieren uns gerne in der Opferrolle. Das soll nun kein Vorwurf sein, denn in der Regel geschieht dieser Vorgang vollkommen unbewusst. Schließlich wollen wir uns in die Gesellschaft integrieren, unser größtes menschliches Bedürfnis nach Anerkennung stillen und nur nicht andersartig auffallen. Dann kann es schnell mal dazu führen, dass die grundeigenen Bedürfnisse unter den Tisch fallen.

 

 

 

~ Die wichtigsten Voraussetzungen für Selbstfürsorge ~


Was benötige ich, um mir selbst ausreichend Fürsorge zu schenken? Es gibt zwei Faktoren, die bei der Erfüllung deiner wichtigsten Bedürfnisse eine entscheidende Rolle spielen:

  • Selbst-Aufmerksamkeit
  • Selbst-Mitgefühl

Selbst-Aufmerksamkeit bedeutet, achtsam seinem eigenen Wohlergehen nachzugehen. Du kannst dir das wie einen inneren Beobachter vorstellen, der sich laut zu Wort meldet, wenn unsere Befindlichkeit ins Wanken kommt.

Beim Selbst-Mitgefühl geht es um eine wertschätzende Haltung dir selbst gegenüber. Es geht darum, deine fürsorgliche Seite zu informieren, dass der bedürftige Teil in dir gerade in diesem Moment Zuwendung und genau die Dinge benötigt, die dir gut tun.

Zugleich resultiert die Selbstliebe in die Fürsorge deines Wohlergehens. Eines DER Hauptthemen in unserem Leben, worauf ich definitiv noch öfter und ausführlicher eingehen werde.

Die meisten Menschen gehen nicht am Leben zugrunde,
sondern an einer unglücklichen Liebe – zu sich selbst.
(Gerhard Uhlenbruck)

Eine anerkennende, liebevolle, wertschätzende, einfühlende und achtsame Haltung deinen Bedürfnissen gegenüber geht Hand in Hand mit der Selbstfürsorge einher. Es geht auch hier um mehrere Ebenen – ein Schlüssel für die ganzheitliche Gesundheit:

  • Kümmern wir uns beispielsweise um alle physiologischen Bedürfnisse, generiert unser Körper wiederum positives Feedback mit Gesundheit und Wohlbefinden, was den Selbstwert, das Selbstvertrauen stärkt und den Kontakt zu uns selbst auf eine tiefere Ebene bringt.
  • Werden deine mentalen, sozialen und emotionalen Bedürfnisse durch das Aufpassen auf dich selbst befriedigt, erhöht das wiederum deine Resilienz. Stress und Negativität um dich herum können dir nicht mehr so viel anhaben.

 

 

 

 

~ Warum uns Selbstfürsorge so schwer fällt ~


Die Gründe dafür, warum wir uns selbst nicht genug wertschätzen, um uns das Beste geben zu können, liegen einerseits in der Vergangenheit und sind zeitgleich die Prägung unserer Gegenwart. Kurzum: Wir lernen an dem Verhalten unserer Mitmenschen.

Versetze dich mal für einen Augenblick in deine Kindheit zurück: Wie hast du reagiert,

…als dir etwas weh getan hat?
…als du intuitive Wünsche hattest?
…als du Kritik von deinem Lehrer bekamst, was wie ein Stein in deinem Magen lag?

Hast du gelernt, dass die Botschaften deines Körpers nichts Schlechtes sind? Dass sie erkannt und erfüllt werden dürfen? Dann hast du auch irgendwann mal gelernt, diese Bedürfnissen eigenständig regulieren zu können. Hast du dich dagegen nie getraut, deine inneren Botschaften kundzutun oder bekamst keine Anerkennung und Fürsorge deiner Eltern bzw. engsten Bezugsperson(en), dann wirst du schon früh damit angefangen haben, deine Bedürfnisse zu unterdrücken, Widerstand zu leisten und sie zu ignorieren.

Zum anderen begeben wir uns mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter in gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die nicht die besten Beispiele sind. Permanente Erreichbarkeit, hohe Leistungsanforderungen, Krankenstand wird nicht gerne gesehen, sodass wir unsere Symptome mit Medikamente „bekämpfen“, um so rasch als möglich wieder funktionieren zu können.

D.h. uns stehen zwei große Barrieren im Weg, die uns den Weg der Selbstfürsorge behindern können:

  • Mangelnde Fürsorge durch die Vorbildfunktion der Eltern und das Annehmen-dürfen der eigenen Bedürfnisse in unserer Kindheit.
  • Die Anpassung an unsere gesellschaftlichen Verhaltensweisen (Leistung erbringen, Überstunden machen, Funktionieren-müssen als Mutter/Frau, etc.).

Ich kann und möchte an der Stelle betonen, niemanden für dein mangelhafte Selbstfürsorgeverhalten schuldig zu sprechen. Niemand hat es böse mit dir gemeint. Sie/Wir haben es in dem Moment einfach nicht gewusst, anders bzw. besser zu machen. Und auch du brauchst niemanden für irgendetwas zu beschuldigen!

 

 

 

 

~ Die Konsequenzen der Bedürfnisunterdrückung ~


Ein unglückliches Leben zu führen, das sich auf das Hoffen, Abwarten und die Geschehnisse mit dir durch die äußeren Einflussfaktoren (Familie, Freunde, Kollegen, Chef, etc.) charakterisiert, ist ein eindeutiges Zeichen für mangelnde Selbstfürsorge. Keine andere Person da draußen weiß besser Bescheid als du selbst, was DIR gut tut. Was DU in diesem Moment benötigst. Was DICH tatsächlich glücklich macht. Niemand!

Sobald wir aufhören, auf unsere Bedürfnisse zu hören, verlieren wir an Selbstvertrauen. An Selbstbewusstsein. An Selbstwertschätzung. Wir geben uns quasi ein „Nein“ uns selbst gegenüber. Wir lehnen unsere Bedürfnisse ab, werten uns als Person ab und richten die Energie komplett gegen uns selbst.

Als Folge dessen wird deine innere Stimme immer lauter; denn alles, was du unterdrückst, akkumuliert sich exponentiell in Form von Emotionen in dir. Deine innere Stimme wird dich anschreien, dir auf körperlicher Ebene einen Strich durch die Rechnung machen. Dir mental das Leben schwer machen.

Krankheiten sind die klassischen Konsequenzen deiner Bedürfnisunterdrückung. Das sind jedoch alles keine „Störfaktoren“, das ist lediglich ein Hilferuf deiner Seele. Sie versucht aus aller Kraft, dich wieder auf den richtigen Weg bringen …

 

 

 

 

~ Wie du andere mit deiner Selbstfürsorge beschenkst ~


Selbstfürsorge hat rein gar nichts mit Egoismus zu tun, ganz im Gegenteil. Man könnte sogar fast schon von Altruismus sprechen. Kümmerst du dich zuerst um dein Wohl, kommst du in deine Kraft, geht es dir gut – dann geht es deinem Umfeld automatisch auch gut. Wie möchtest du die Welt um dich herum zum positiven beeinflussen, wenn du selbst in einer Negativspirale steckst?

Alles, was wir für uns selbst tun, tun wir auch für andere,
und alles, was wir für andere tun, tun wir auch für uns selbst.
(Thich Nhat Hanh)

Hast du schon mal bemerkt, dass du lachen musstest, weil dein Gegenüber aus Herzen heraus gelacht hat? Dass Gähnen ansteckend ist, wissen wir doch auch alle. Wie hat es sich angefühlt, wenn du jemanden verletzt hast?

Wir sind alle auf eine feinstoffliche Art miteinander verbunden und können unsere Energien teilen, sie gegenseitig wahrnehmen. D.h. wenn du dir Gutes tust, tust du gleichzeitig für dein gesamtes Umfeld etwas Gutes. Du kannst deine Mitmenschen in diese Aufwärtsspirale von Freude, Fülle und Liebe mitreißen. Sie sozusagen „in deinen positiven Bann ziehen.“

 

 

 

 

~ Wie du besser mit dir umgehen kannst ~


Du wirst dich nach der ganzen Theorie jetzt möglicherweise fragen, wie das Ganze funktionieren soll?

Zeit mit sich zu verbringen, Zeit für sich zu nehmen, ist ein Lernprozess. Gerade für introvertierte, für hochsensible Menschen ist es ein großer Schritt sich zu erlauben, sich bewusst abzugrenzen, um seine Energien zu schützen. Aber du wirst bald merken, dass es das natürlichste auf der Welt ist und am Ende wirst du dir aus Herzen für diese Zeit danken.

  1. ENTSCHEIDUNG: Alles beginnt mit im Kopf, mit deinen Gedanken. Der erste Schritt ist deine Entscheidung, ein „JA“ für dich selbst abzugeben.
  2. WAHRNEHMEN & ERKENNEN: Nimm’ dir am besten abends vor dem Zu-Bett gehen ein paar Momente Zeit. Spüre in dich hinein und frage dich, was dir an diesem Tag gut und was dir weniger gut getan hat. Schreib dir die ersten Impulse direkt nieder. Welche Menschen schenken, welche rauben dir eher Energie? Welche Tätigkeiten (aktiv/passiv) schenken, welche rauben dir Energie? Schreibe dir ein Sammelsurium an Dingen nieder, die dich in deine Lebenskraft und Fülle bringen. Die Liste kann jederzeit erweitert werden.
  3. HANDELN: Durch das achtsame Wahrnehmen deines Wohlbefindens kannst du intuitiv herausfinden, was dir wirklich Kraft gibt. Wo, mit wem und wobei du deine Akkus aufladen kannst. Oft sind es nur ganz kleine Dinge oder Momente, wie ein Spaziergang, 1-2h mehr Schlaf, ein energieschenkendes Frühstück, ein Buch deines Lieblingsautors zu lesen – was auch immer es sein mag.

Komm’ ins Handeln und sorge für dich!

  1. PRIORITÄTEN: So wie wir unsere Termine, die Arbeit, den Haushalt, etc. in den Alltag einplanen, genauso sollten wir die „Me-Time“ (Ich-Zeit) bewusst wählen. Das bedeutet auch, einmal „Nein“ zu sagen, wenn du das Bedürfnis hast, nicht deiner Familie/deinen Freunden zuliebe auf eine Feier mitzukommen. Verändere deine Prioritäten im Leben und schenke dir selbst – deinem Selbst – täglich ein paar Momente, in denen du für dich ganz alleine bist.

Wann hast du dich selbst das letzte Mal gefragt „Mein(e) Liebe(r), wie geht es dir denn heute?“ So wie du in der Regel deine Freunde oder deine Eltern fragst. Ist das schon lange her? Kannst du dich gar nicht mehr daran erinnern, das überhaupt schon mal gemacht zu haben? Dann wird es jetzt höchste Zeit!

Werde zum Bodyguard deiner Energien, deiner Kraft, deines Wohlergehens.

 

 

 

 

~ Fazit: Selbstfürsorge ist der Schlüssel, um in deine Kraft zu kommen ~


Unsere innere Stimme hat niemals aufgehört zu uns zu sprechen. Doch wir haben verlernt, ihr zuzuhören. Wir haben uns durch die Einflüsse aus unserem Umfeld irgendwann (unbewusst) dazu entschieden, dem außen zu entsprechen, aber nicht mehr uns selbst.

Es ist an der Zeit, in DEINE Kraft zu kommen.

Werde dein eigener bester Freund. Nimm’ dein inneres, bedürftiges ICH an die Hand und sorge für dich als würdest du dich um dein eigenes Neugeborenes kümmern. Lass’ nicht zu, dass die Reize aus dem außen deine innere Welt nachhaltig ins Ungleichgewicht bringen, sodass du körperliche, mentale und seelische Verletzungen davon tragen musst.

Nimm’ dir als inneren Leitsatz:

>Ich SORGE FÜR mich SELBST! <

…und wiederhole diesen 3-5x vor dem Einschlafen und 3-5x direkt nach dem Aufwachen! Treffe JETZT die Entscheidung, es dir wert zu sein, dass es dir gut gehen darf!

  • Lausche deiner inneren Stimme.
  • Komm ins Handeln und tue das, was du jetzt gerade brauchst.
  • Danke dir selbst, dass du für dich da bist. Jederzeit und überall!

Es ist absolut sinnvoll, dass du Selbstfürsorge an die Spitze deiner Prioritätenliste setzt. Durch die regelmäßigen Praxis der „Ich-Zeit“ fühlst du dich entspannter, kommst mehr in deine Mitte, bist präsenter in Gegenwart deiner Liebsten, fröhlicher … die Liste kann ins Unendliche weitergeführt werden!

Ich entlasse dich nun mit diesen Zeilen!

Pass gut auf dich auf, alles Liebe & Namasté,

deine Isabel!

4 thoughts on “Selbstfürsorge | Bin ich egoistisch?”

  1. Liebste Isabel!

    Auch das sind meine Worte, besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Ich habe dieses Wissen erst viel später als du erfahren aber es ist nie zu spät für sich selbst zu sorgen und mehr an seine eigenen Bedürfnisse zu denken.

    Die Vergangenheit deiner Ur-Großeltern, deiner Groß-Eltern und deiner Eltern hat die Selbstfürsorge mit Egoismus verwechselt und dadurch wurde ihr Leben mit Härte zu sich selbst, geprägt. Ich kann nur bestätigen, dass es zwei verschiedene Paar Schuhe sind.

    Selbsfürsorge darf man als ein „DANKESCHÖN“ an sich selbst anerkennen.

    Mir geht es gut, um auf deine Frage zu antworten.

    Alles Liebe für dich, deine Mum!

    1. Liebe Mama,
      vielen vielen Dank für deine wahren Worte. Tatsächlich hat sich unsere Gesellschaft durch die Konventionen und auferlegten Pflichten, welche die Vergangenheit stark geprägt haben, in Richtung Verausgabung entwickelt und erachtet Selbstfürsorge eher als „Egoismus“. Diese Einstellung zieht sich tiefgründig über die Generationen hinweg. Allerdings findet aktuell doch langsam eine Zeit der „Erkenntnis“ statt, in der ich nun meine eigene Erfahrung mit der Welt teilen möchte…
      Du hast es auf den Punkt gebracht, danke!
      Alles Liebe, Isabel!

  2. Liebste Isabel!,
    I hope you are doing fine, I am also doing fine. 😀
    I think Self-Care not only empowers you but empowers everybody who are part of your life.

    Namaste!
    Siddharth Talesra

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